INTERVIEW MIT MARIO BOTTA IN ADAM THE MAGAZINE.
Interview mit Mario Botta: Der enthusiastische Macher!
Der Tessiner Stararchitekt Mario Botta (79) über seinen Neubau des ältesten Thermalbads der Schweiz, dem FORTYSEVEN in Baden, und die häufigen Kontroversen um seinen Baustil.
Interview mit Mario Botta in ADAM The Magazine.
FORTYSEVEN: Mario Bottas Geschenk an die Stadt Baden
Ein Gespräch mit Mario Botta über das Thermalbad FORTYSEVEN, Kontroversen und sein Leben als Architekt.
Der Tessiner Stararchitekt Mario Botta hat im Laufe seiner langen Karriere viele markante Bauten geschaffen: Kirchen, Museen, Banken. Doch das Thermalbad FORTYSEVEN in Baden bezeichnet er als ein „Projekt der Reife“. Nicht des Alters, wie er lachend betont, sondern ein Werk, das aus jahrelanger Auseinandersetzung mit Ort, Geschichte und Menschen gewachsen ist.
Für Botta war von Anfang an klar, dass die Therme mehr sein sollte als ein spektakulärer Baukörper. Er versteht sie als Nahtstelle zwischen der historischen Stadt und den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft, eingebettet in Fluss, Landschaft und die 47 Grad warmen Thermalquellen. „Dieses Wasser ist ein Geschenk der Erde und die Therme ein Geschenk an die Stadt“, sagt er. Sein Entwurf ist keine abgeschlossene Form, sondern eine offene Geste: eine Hand, die sich zur Limmat streckt und die Umgebung aufnimmt.
Die Entwicklung des Projekts dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Diese Zeit habe es ihm ermöglicht, vieles zu verstehen und den Entwurf immer weiter zu verfeinern. Materialien und Farben wählte er so, dass sie das warme Wasser, die Weinreben und die Hänge rund um Baden widerspiegeln. Der helle Stein stammt aus Verona, das Holz aus Europa, sorgfältig geprüft auf seine Beständigkeit gegenüber dem mineralhaltigen Thermalwasser. Selbst in letzter Minute veränderte er noch Details, etwa indem er Möbel entfernen liess, um den Innenräumen mehr Leichtigkeit zu verleihen.
Kontroversen begleiteten den Bau von Beginn an. Kritiker befürchteten, die Therme wirke zu wuchtig an diesem Ort. Doch nach der Eröffnung wandelte sich die Wahrnehmung: Heute gilt das FORTYSEVEN mit seiner lichtdurchfluteten Badelandschaft, den Saunen mit Blick auf die Limmat und den eleganten Ruheräumen als gelungenes Beispiel dafür, wie moderne Architektur Tradition weiterführen kann. „Anfangs wurde viel diskutiert, aber inzwischen darf ich wohl sagen, dass die meisten zufrieden sind“, meint Botta. Er bekomme zahlreiche Briefe von Bürgerinnen und Bürgern, die ihm danken: „Der Fluss gehört endlich der Stadt.“
Das passt zu Bottas Haltung, dass Architektur nicht allein aus Form und Materie besteht, sondern Kultur stiftet und Lebensfreude schenken muss. „Der Architekt muss die Menschen verstehen und sie richtig interpretieren“, sagt er. Ob er selbst die Thermen nutzt? „Normalerweise nicht. Ich bekomme schon Atemnot, wenn ich bis zu den Knöcheln im Wasser stehe“, lacht er. Aber das sei nebensächlich. Schliesslich habe er auch Banken entworfen, ohne Banker zu sein, und Kirchen, ohne Priester zu sein.
Geboren 1943 in Mendrisio, prägte ihn früh die Zusammenarbeit mit Le Corbusier. Seit 1969 führt er sein eigenes Büro, bekannt für schlichte geometrische Formen und massive Baukörper. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Kirche von Mogno, das Tinguely Museum in Basel oder die Banca del Gottardo in Lugano. Mit dem FORTYSEVEN hat er nun auch das älteste Thermalbad der Schweiz in die Gegenwart geführt, nicht als Fremdkörper, sondern als Teil der Stadtlandschaft.
Für Botta bleibt entscheidend, was Architektur im Leben der Menschen bewirkt. Ein Gebäude soll nicht provozieren, sondern Teil des Alltags werden, am Tag wie in der Nacht, im Sommer wie im Winter. Dass seine Werke immer wieder für Debatten sorgen, nimmt er gelassen: „Ein Projekt, über das nicht diskutiert wird, ist kein interessantes Projekt.“
So ist das FORTYSEVEN mehr als ein Ort der Erholung. Es ist auch Ausdruck einer Haltung, die Botta seit Jahrzehnten verfolgt: Architektur als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Natur und Stadt, zwischen Menschen und ihrer Kultur.