GESUNDHEIT WEITERGEBEN – WARUM ENGAGEMENT HEUTE WICHTIGER IST DENN JE.
Interview mit Dr. iur. Beat Edelmann
Wie kann Gesundheit auch dort ermöglicht werden, wo Systeme an ihre Grenzen stossen? Im Interview spricht Beat Edelmann über Verantwortung, Gemeinnützigkeit und warum Gesundheitsförderung heute wichtiger ist denn je.
Herr Edelmann, Sie stehen unserer Stiftung als Präsident vor – und sind gleichzeitig Sohn des Gründers Walter Edelmann. Was bedeutet Ihnen diese Rolle persönlich?
"In erster Linie bedeutet meine Arbeit als Präsident der Stiftung die Verpflichtung, den Stiftungsgedanken weiterzutragen. Schon als kleiner Bub war die Stiftung und deren Zweck, beziehungsweise die Arbeit dahinter ein ständiges Thema an unserem Küchentisch. Wer weiss, vielleicht auch deshalb spüre ich eine wahnsinnig starke Identifikation zur Stiftung.
Meine Wirkung als Stiftungsratspäsident sehe ich daher nicht als Arbeit, sondern eher als einen Teil von mir. Nach über dreissig Jahren in dieser Position ist es mir noch immer ein grosses Anliegen, den Stiftungsgedanken nachhaltig weiterzuentwickeln und Gesundheit zu ermöglichen, wo die gesellschaftlichen Grenzen einsetzen oder Krankenkassen nicht mehr zahlen können."
Wir engagieren uns stark für die Gesundheit, Prävention und Lebensqualität. Warum ist das Ihrer Meinung nach besonders relevant – auch heute noch?
"Was viele Menschen heute vielleicht nicht mehr wissen, ist, dass die Stiftung nach dem Fund des hiesigen “Heilwassers” gegründet wurde. Meine Eltern als Gründer der Stiftung glaubten immer fest daran, dass Heilwasser Gesundheit nachhaltig sichern, beziehungsweise unterstützen kann und im Sinne des Patientenwohls eingesetzt werden soll. Deshalb wurde schon damals viel Geld und Zeit in die balneologische Forschung investiert – ein Thema, das auch heute noch extrem wichtig ist für uns als Stiftung.
Als meine Eltern die Stiftung aber gegründet haben, gab es beispielsweise auch noch keine obligatorische Krankenkasse – was plakativ gesagt bedeutet, dass es auch häufig dazu kommen konnte, dass Frauen und Männer Behandlungen, ob präventiv, aktiv oder rehabilitativ, nicht richtig nutzen konnten. Mit unserer Stiftung hatten wir also bereits früh die Möglichkeit, eine langfristige Wirkung für die positive Entwicklung der Gesundheit von Menschen zu erreichen.
Heute ist die Lage eine andere – seit 1996 gilt in der Schweiz das obligatorische Krankenversicherungsgesetz, welches erstmals greift. Aber auch hier haben wir Lücken und wir dürfen nicht vergessen – zu Gesundheit gehört nicht “nur” die aktive Versorgung und Rehabilitation. Heute wissen wir, wie wichtig Prävention und Mentale Gesundheit sind, um ein ganzheitlich gesundes Leben zu führen. (Alters-)Armut und Einsamkeit sind nur zwei Schlagwörter, vor denen wir die Augen nicht verschliessen wollen. Und genau das sind die Themen, die als Gesamtpaket heute wichtiger sind denn je."
Mit einer Gönnerschaft können sich Menschen direkt engagieren. Was macht dieses Konzept besonders?
"Die Stiftung fördert Forschung, sie bringt Menschen zusammen und entwickelt innovative Angebote im Rahmen der Gesundheitsförderung. Das ist unser Beitrag, den wir leisten, um Gesundheit weiterzugeben. Durch die Möglichkeit, einen finanziellen Beitrag zu leisten, möchten wir Menschen dazu einladen, unseren Stiftungszweck “Gesundheit weiterzutragen, beziehungsweise zu ermöglichen und zu bewahren und zurückzugeben” zu teilen und weiterzutragen. Denn sind wir ehrlich, so ist Gesundheit auch in der Schweiz kein garantiertes Gut, sondern ein sehr persönliches, zu welchem Sorge getragen werden muss."
Was ist der Grundgedanke des Gönnerkonzepts und wie wird sichergestellt, dass Gelder direkt in die Gesundheitsförderung fliessen?
"Die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden ist nun fast 70 Jahre alt. In diesen Zeiten haben wir viel erlebt und mussten uns neuen Gegebenheiten anpassen. Als Beispiel dafür nenne ich gerne nochmals die Einführung der obligatorischen Krankenkasse, was auch einen Wendepunkt in der langfristigen Gesundheitsförderung mit sich gebracht hat.
Einfach zusammengefasst ist der Grundgedanke aber nach wie vor, dass wir Gesundheit nachhaltig ermöglichen und so für ein gesundes und wohlwollendes Zusammenleben sorgen. Gesundheit geht über die rein physische Gesundheit hinaus - die gesamtheitliche Gesundheit ist heute wichtiger denn je.
Die Gönnermittel sind zweckgebunden und werden für die drei Pfeiler des Stiftungszwecks investiert:
- Forschung – je mehr wir wissen, desto besser können wir handeln.
- Prävention und Rehabilitation
- Kurort Förderung in Bad Zurzach und Baden
Die Gönnerfonds werden nicht mehr unter der ZURZACH Care geführt, sondern direkt unter der Stiftung. Auch diese Anpassung sorgt dafür, dass wir sicherstellen können, dass die Gelder direkt in die Gesundheitsförderung fliessen."
Können Sie ein Beispiel nennen, wo diese direkte Unterstützung wirksam wird?
"Damals, als es noch keine obligatorische Krankenversicherung gab, wurden Aufenthalte gesamt- oder mitfinanziert. Gönnergelder konnten also punktuell dort eingesetzt werden, wo das System “versagt” hat. Mit der Einführung eines Obligatoriums musste sich dieser Prozess verändern. Wir legen heute den Fokus im Rahmen der Gesundheitsförderung auf Langfristigkeit und Stabilität. Sei dies nun im Rahmen von Prävention, damit Menschen gar nicht erst stark krank werden, oder mit Forschung, damit wir mit mehr Wissen mehr bewegen können. Und in unserem Klinikalltag der ZURZACH Care haben wir immer wieder die Möglichkeit, einzelnen Privatpersonen mit Hilfsmitteln eine grosse Stütze zu bieten. Damit setzen wir noch heute dort an, wo früher ganze Rehabilitationsaufenthalte mitfinanziert wurden – einfach im kleineren, aber dennoch so wichtigen Rahmen."
Was unterscheidet Ihrer Meinung unsere Stiftung von anderen Organisationen im Gesundheitsbereich?
"Es gibt generell viele (ähnliche) Organisationen, so sind zum Beispiel viele Reha-Kliniken durch Stiftungen gegründet. Sie – beziehungsweise wir alle – dienen dem Wohl der Gemeinnützigkeit.
Was mich aber fasziniert ist, dass jeder Franken, den wir dank unserer Gönnerinnen und Gönner bekommen, in den Stiftungszweck “Gesundheit für alle zu ermöglichen” reinvestieren - wir bauen beispielsweise keine Reha-Gebäude von ZURZACH Care, sondern entwickeln ein Therapie-Angebot, dass wir überall anbieten können. Da wir als Stiftung steuerbefreit sind, können wir somit sicherstellen, dass jeder einzelne Franken reinvestiert wird.
Und: Auch wir Stiftungsräte verdienen uns keine goldene Nase – das gemeinnützige Wohl ist für uns alle Lohn genug."
Warum sollte denn heute jemand Gönnerin oder Gönner werden?
"Ganz generell gesprochen vor allem eins: Solange wir die Möglichkeit haben, Anteilnahme an einem sinnstiftenden Gedanken zu haben und mit einem kleinen Beitrag Grosses bewirken können, warum sollten wir dies nicht machen? Schicksalsschläge können jede und jeden treffen und sind nicht vorherzusehen – umso wichtiger ist ein funktionierendes System und Möglichkeiten, die Lücken zu füllen, an den Stellen, wo Regeln an Grenzen stossen. Und genau solche Lösungen bieten wir mit unserem Gönnerkonzept."
Wie wirken die Gelder von Gönnerinnen und Gönner?
"Wie mein Vater früher schon zu glauben wusste, Thermalwasser – oder wie er es damals gerne nannte: Heilwasser – hat einen nachweislich positiven Einfluss auf die Gesundheit. Dieser ist aber bis heute nicht evidenzbasiert. Aus diesem Grund soll beispielsweise die balneologische Forschung weitergeführt werden, damit wir dieses Wissen langfristig in die präventive und rehabilitierende Gesundheitsförderung fliessen lassen können. Gleichzeitig entwickeln wir neue und innovative Angebote, die ebenfalls sowohl präventiv und in der Rehabilitation genutzt werden können. Ein Beispiel dafür ist unser Therapiegarten in Bad Zurzach. Und nicht zuletzt – und mir ein persönliches Anliegen – bieten wir unmittelbare Hilfe. So zum Beispiel sind wir in der Lage, einer bedürftigen Patientin oder einem Patienten, ohne grossen bürokratischen Aufwand einen Rollstuhl zu finanzieren, wenn die Krankenkassen nicht einspringen und es an eigenen finanziellen Mittel fehlt."
Wo sehen Sie persönlich den grössten Hebel, den Gedanken Ihrer Familie langfristig weitertragen und Gesundheit für alle ermöglichen zu können?
"Bereits bei der Gründung der Stiftung waren vorher genannte Punkte die Beweggründe. Gesundheit ist auch in den letzten siebzig Jahren kein kaufbares Gut geworden und wird es auch nie werden. Meine Aufgabe ist es, den Erhalt der Stiftung und des Stiftungszwecks langfristig zu sichern. Im Rahmen dessen bin ich dankbar für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Stiftung, die tagtäglich mit viel Herzblut und Liebe für ein gemeinsames Ziel arbeiten: Gesundheit zu ermöglichen."
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden?
"Ich wünsche mir, dass wir Gesundheit auch noch in den nächsten siebzig Jahren ermöglichen dürfen. Dass wir den Gedanken “Gesundheit für alle zu ermöglichen” in die Zukunft tragen dürfen und auf gemeinnütziger Basis weiterbestehen werden. Das ist für mich das Wichtigste.
Neben diesem Ziel ist es mir ebenfalls ein grosses Anliegen, dass all unsere Mitarbeitenden wissen, wofür sie hier eigentlich arbeiten. Das sie wissen, dass jeder Job – egal welcher – einen Beitrag leistet, dass wir unseren Stiftungszweck erfüllen können und jeder Teil eines Rednerwerks ist, der Grosses (in unserem Fall Gesundheit) ermöglicht."